Klimafasten leicht gemacht

Klimafasten? Klar mache ich mit. Aber wenn schon, denn schon. Auf Plastik verzichten, das Auto stehen lassen? Welches Plastik, welches Auto? Nein nein, so einfach mache ich es mir nicht. Ich stelle mich einer wirklichen Herausforderung: Gute sechs Wochen werde ich auf Fleisch verzichten! – Ja, da staunt ihr über meine Wagemutigkeit!

Tatsächlich bin ich wohl in dieser Hinsicht ein Fremdkörper in meinem Freundeskreis. Nicht nur meine Ökos (wie ich sie liebevoll nenne) aus der BUNDjugend-Ortsgruppe, die in den wöchentlichen Treffen auch mal über selbstgemachte Hafermilch oder die richtige Zubereitung von Sojaschnetzeln fachsimpeln, sondern auch der restliche Großteil meiner Freunde ernährt sich längst vegetarisch. Nur ich greife noch gerne zu, wenn bei Heimatbesuchen mein Papa die Ahle Wurscht aufschneidet oder meine Mama gebratenen Lachs auftischt.
So weit bin ich schon: Fleisch muss wertgeschätzt werden, weil eben immer ein Leben dahintersteht und darum esse ich es wenig. Etwa alle zwei bis drei Wochen ungefähr und wenn ich es mal einkaufe, dann auf jeden Fall bio. An allen anderen Tagen wird vegetarisch gegessen und das ist auch der Grund, warum ich mich fachkundig in oben genannte Gespräche einmischen kann.
Aber komplett drauf verzichten? So richtig überzeugt bin ich ja noch nicht. Wenn ich da an meine Lieblingsgerichte denke, kommen an erster Stelle zwar Süßspeisen, aber gleich danach folgen Hackfleischklößchen, Rinderrouladen, Gehacktesbrötchen und so weiter und so fort. Bitte nicht falsch verstehen, ich liebe auch viele vegetarische Gerichte (ich esse im Allgemeinen einfach gerne, deshalb ist das nicht so schwierig), aber nach einiger Zeit mal ein Gericht mit Fleisch hat für mich etwas von einer Belohnung.

Werde ich also die nächsten sechs Wochen gut durchstehen? Ich denke schon. Wenn ich mir meinen aktuellen Fleischkonsum ansehe, heißt das ja nur zwei bis drei Mal mehr auf Fleisch verzichten. Ob ich mein Essverhalten allerdings langfristig verändern werde, steht auf einem anderen Blatt. Vielleicht kann ich dazu ja mehr sagen, wenn die Fastenzeit hinter mir liegt.

Hoffnungsfrohe Grüße,
Maren

P.S.: Wenn ihr selbst Lust bekommen habt, beim Klimafasten einzusteigen, überlegt euch gern, auf was ihr verzichten oder welche Verhaltensweise ihr ändern wollt. Mehr Ideen findest du auf der Seite der BUNDjugend.
Berichte gerne online über deine Erfahrungen mit dem Hashtag #klimafasten.

Nächstes Treffen 19:30

An alle, die spontan vorbei schauen wollen: Entgegen der üblichen Zeit beginnt unser Treffen am 18.01. eine halbe Stunde später, um 19:30. :) Bis dann!

Saatguttauschbörse Runde 2!

Die trüben Tage beginnen und zu Hause rumhängen wird langsam langweilig. Statt in Erinnerung an die vergangenen Sommertage zu schwelgen, nutzt die freie Zeit und plant doch schon das kommende Garten- und Balkonjahr! Damit ihr nächstes Jahr fresh in die Saison starten könnt, kommt am 26. November zwischen 14 und 18 Uhr zu unserer Saatguttauschbörse im Weltladencafé (Nikolaistraße 10). Dort könnt ihr bei leckerem Fairtrade-Kaffee und Tee nicht nur Saatgut, Pflanzen und Gartenutensilien austauschen sondern auch Erfahrungen und Expertise. Wir freuen uns auf euch! :)

Ihr findet die Veranstaltung auch auf facebook.

Klimakonferenz und People’s Climate Summit: Aktionswochenende Rheinland Teil 4

Am folgenden Tag, dem Montag, ging die Klimakonferenz COP23 (Conference of the Parties
Nummer 23 – ja, es gibt jedes Jahr eine) erst los.

SchildCOP23
Die Konferenz fand stellvertretend für Fidschi in Bonn statt, daher gab es eine „Bula“ (Willkommens)-Zone

Da wir keine Akkreditierungen hatten, also die Erlaubnis, in die Verhandlungsgebäude einzutreten,
nahmen wir an Workshops teil, die auf dem Alternativgipfel – dem „People’s Climate
Summit
“ – angeboten wurden. Dort können alle Interessierte teilnehmen
und dementsprechend diverses Publikum fand sich ein.
Besonders spannend waren die Berichte von Konsequenzen des Klimawandels und Unterdrückung
aus anderen Ländern. Es ist einfach unglaublich, wie europabasiert die Mainstream-
Berichterstattung hier sind, sodass man das Elend und die Kämpfe und Ungerechtigkeiten kaum
mitbekommt*.
Und diese entstehen teils durch den Klimawandel, so zum Beispiel Stürme wie der Taifun Haiyan
2013, der 10000 Menschen umbrachte, oder Dürren, die die Menschen zwingen, weite Wege zur
nächsten Wasserstelle und viel größere Arbeitsbelastungen auf sich zu nehmen. Oftmals sind es die
Männer, die auswandern oder fliehen können. Eine Aktivistin sprach davon, dass nach der
Katastrophe oft eine weitere folgt: nach dem Taifun Haiyan, 2013 auf den Philippinen,
beispielsweise, konnten die Menschen nicht mehr in ihre Häuser zurückkehren und durften auch
nicht mehr fischen, weil das als Gefahrenzone deklariert wurde. So wurde den Überlebenden die
Lebensgrundlage entzogen. Besonders für Frauen sind die Zeiten nach Katastrophen, wenn es keine
Polizei gibt und Chaos herrscht, sehr gefährlich, weil dann häufiger Überfälle stattfinden und auf
häusliche Gewalt keine Strafen (mehr) folgen.

EisbaerCOP23
Leicht deprimierende Kunst war in Bonn zu sehen

Andererseits entsteht das Elend schon durch den Ressourcenabbau (ob legal oder illegal: Kohle,
Diamanten, seltene Erden), der teils durch die Militärs bewacht wird, oder Palmölanbau für Europa,
der Regenwald zerstört, einheimische Menschen enteignet und den Klimawandel weiter vorantreibt.
Derweil haben große Teile der ärmeren Bevölkerung nicht einmal Zugang zu Elektrizität.
Wenn so den Menschen alles genommen wird und sie im Katastrophenfall vielleicht sogar noch
Miete für die Notunterkünfte zahlen müssen, besteht oftmals die einzige Option für die Menschen,
zurückzukämpfen, sagte eine Aktivistin.
Fast überall scheinen durch Klimawandelfolgen, oder der Gier nach Ressourcen, soziale
Ungleichheiten nur verschärft und der Kampf gegen den Klimawandel gewaltvoll unterdrückt zu
werden.
Besonders deutlich wurde die Forderung, Feminismus stärker in den Klimaschutz einzubringen,
gerade weil Frauen in vielen Teilen der Welt ohnehin schon unterdrückt werden und dadurch am
stärksten durch den Klimawandel getroffen werden, weil sie oft die Familien mit Nahrung
versorgen und dafür dann noch härter dafür arbeiten müssen.
Doch es war nicht alles hoffnungslos, was in den Workshops vermittelt wurde. So war allein die
Tatsache, dass inspirierende, starke Menschen aus den Philippinen, Malaysia, dem Kongo, Kenia,
Kanada, den USA, Puerto Rico und vielen anderen Ländern ihre Geschichten des Kampfes gegen
den Klimawandel, Kapitalismus und Korruption teilten, überaus motivierend.
Lösungen wurden dadurch vorgeschlagen, die Narrative über unsere Position in der Natur zu
verändern. Immerhin sind wir Teil der Natur und sollten diese auch als unglaublich wichtige Quelle
unseres Lebens sehen.
Wichtig sei es auch, sich gegen die Ungerechtigkeiten der Konzerne zu wehren und sich zu
organisieren, wenn die Regierungen zu sehr von der Wirtschaft eingelullt werden und kein Interesse
am Wohl ihrer Bevölkerung zeigen.

WorkshopAktionen
Workshop zu kreativem Aktivismus

Außerdem reicht es nicht, nur die Energieversorgung zu verändern und weiterhin so kapitalistisch
zu wirtschaften, wie bisher. Denn so werden wir Europäer*innen den Rest der Welt mit unseren
Altlasten der Industrialisierung und Kolonialisierung allein lassen und irgendwann werden
Millionen Menschen nicht mehr leben können, wo sie bisher leben. Daher ist ein tiefgreifender
System Wandel („System change, not climate change!“) nötig, denn wir alle haben nur dieses
Leben, sagte eine Aktivistin.
Wie wir das schaffen können, ist vermutlich eine der größten Herausforderungen der Zeit und der
sozialen und ökologischen Bewegungen.
Falls ihr gegen den Klimawandel aktiv werden wollt, meldet euch gerne bei uns! Es gibt noch so
viel zu tun.

*Anmerkung: Selbst nach einiger Recherche war es mir nicht möglich, einige der Berichte online
zu bestätigen, weshalb manche der Aussagen ohne Gewähr sind.

Führung durch den Hambacher Forst: Aktionswochenende Rheinland Teil 3

Hambacher Tagebau
Links: Braunkohletagebau Hambach mit Baggern; rechts: Reste des Hambacher Forsts

Trotz Müdigkeit und Regen entschlossen wir uns im Anschluss noch eine Führung durch den Hambacher Forst zu machen.

Dabei erfuhren wir, dass der Wald der einzige sogenannte „Eichen-Hainbuchen-Maiglöckchen-Wald“ Europas ist und daher natürlich unglaublich schützenswert. Doch durch mir nicht ganz klare bürokratische Zusammenhänge (z.B. dass Wirtschaft leider einfach noch immer vor Naturschutz kommt) wurde dieser schützenswerte Lebensraum nie der EU gemeldet und steht daher nicht unter Schutz und darf von RWE innerhalb der Rodungszeit von Oktober bis Februar rücksichtslos kahlgeschlagen werden, weil sie darunter ja noch Braunkohle rausbuddeln wollen.

Momentan sind nur noch 10% des seltenen und früher mal größten Waldes Nordrhein-Westfalens übrig.

Am 21. November 2017 läuft ein Gerichtsprozess des BUND gegen RWE, bei dem nochmal über die Zukunft des Waldes verhandelt wird. Doch nach Angaben der Baumbesetzer*innen des Hambacher Forstes sieht es nicht gut aus für den Wald und dieses Jahr will RWE wieder alle Baumhäuser (die beheizbar sind und innen so liebevoll eingerichtet) räumen lassen und die Bäume fällen, weil die Grube erweitert werden soll. Wir sprechen den mutigen Besetzer*innen unsere Solidarität aus! Danke, dass ihr euch so kraftvoll für den Erhalt der Umwelt einsetzt!

Einmal im Monat gibt der Naturführer Michael Zobel eine solche sehr spannende Führung durch den Hambacher Forst, die naturkundliche Aspekte mit denen des Protestes humorvoll kombiniert und einfach ein unglaubliches Erlebnis ist; lohnt sich besonders für Leute aus NRW!
http://naturfuehrung.com/hambacher-forst/