Tag-Archiv für 'klima'

Klimakonferenz und People’s Climate Summit: Aktionswochenende Rheinland Teil 4

Am folgenden Tag, dem Montag, ging die Klimakonferenz COP23 (Conference of the Parties
Nummer 23 – ja, es gibt jedes Jahr eine) erst los.

SchildCOP23
Die Konferenz fand stellvertretend für Fidschi in Bonn statt, daher gab es eine „Bula“ (Willkommens)-Zone

Da wir keine Akkreditierungen hatten, also die Erlaubnis, in die Verhandlungsgebäude einzutreten,
nahmen wir an Workshops teil, die auf dem Alternativgipfel – dem „People’s Climate
Summit
“ – angeboten wurden. Dort können alle Interessierte teilnehmen
und dementsprechend diverses Publikum fand sich ein.
Besonders spannend waren die Berichte von Konsequenzen des Klimawandels und Unterdrückung
aus anderen Ländern. Es ist einfach unglaublich, wie europabasiert die Mainstream-
Berichterstattung hier sind, sodass man das Elend und die Kämpfe und Ungerechtigkeiten kaum
mitbekommt*.
Und diese entstehen teils durch den Klimawandel, so zum Beispiel Stürme wie der Taifun Haiyan
2013, der 10000 Menschen umbrachte, oder Dürren, die die Menschen zwingen, weite Wege zur
nächsten Wasserstelle und viel größere Arbeitsbelastungen auf sich zu nehmen. Oftmals sind es die
Männer, die auswandern oder fliehen können. Eine Aktivistin sprach davon, dass nach der
Katastrophe oft eine weitere folgt: nach dem Taifun Haiyan, 2013 auf den Philippinen,
beispielsweise, konnten die Menschen nicht mehr in ihre Häuser zurückkehren und durften auch
nicht mehr fischen, weil das als Gefahrenzone deklariert wurde. So wurde den Überlebenden die
Lebensgrundlage entzogen. Besonders für Frauen sind die Zeiten nach Katastrophen, wenn es keine
Polizei gibt und Chaos herrscht, sehr gefährlich, weil dann häufiger Überfälle stattfinden und auf
häusliche Gewalt keine Strafen (mehr) folgen.

EisbaerCOP23
Leicht deprimierende Kunst war in Bonn zu sehen

Andererseits entsteht das Elend schon durch den Ressourcenabbau (ob legal oder illegal: Kohle,
Diamanten, seltene Erden), der teils durch die Militärs bewacht wird, oder Palmölanbau für Europa,
der Regenwald zerstört, einheimische Menschen enteignet und den Klimawandel weiter vorantreibt.
Derweil haben große Teile der ärmeren Bevölkerung nicht einmal Zugang zu Elektrizität.
Wenn so den Menschen alles genommen wird und sie im Katastrophenfall vielleicht sogar noch
Miete für die Notunterkünfte zahlen müssen, besteht oftmals die einzige Option für die Menschen,
zurückzukämpfen, sagte eine Aktivistin.
Fast überall scheinen durch Klimawandelfolgen, oder der Gier nach Ressourcen, soziale
Ungleichheiten nur verschärft und der Kampf gegen den Klimawandel gewaltvoll unterdrückt zu
werden.
Besonders deutlich wurde die Forderung, Feminismus stärker in den Klimaschutz einzubringen,
gerade weil Frauen in vielen Teilen der Welt ohnehin schon unterdrückt werden und dadurch am
stärksten durch den Klimawandel getroffen werden, weil sie oft die Familien mit Nahrung
versorgen und dafür dann noch härter dafür arbeiten müssen.
Doch es war nicht alles hoffnungslos, was in den Workshops vermittelt wurde. So war allein die
Tatsache, dass inspirierende, starke Menschen aus den Philippinen, Malaysia, dem Kongo, Kenia,
Kanada, den USA, Puerto Rico und vielen anderen Ländern ihre Geschichten des Kampfes gegen
den Klimawandel, Kapitalismus und Korruption teilten, überaus motivierend.
Lösungen wurden dadurch vorgeschlagen, die Narrative über unsere Position in der Natur zu
verändern. Immerhin sind wir Teil der Natur und sollten diese auch als unglaublich wichtige Quelle
unseres Lebens sehen.
Wichtig sei es auch, sich gegen die Ungerechtigkeiten der Konzerne zu wehren und sich zu
organisieren, wenn die Regierungen zu sehr von der Wirtschaft eingelullt werden und kein Interesse
am Wohl ihrer Bevölkerung zeigen.

WorkshopAktionen
Workshop zu kreativem Aktivismus

Außerdem reicht es nicht, nur die Energieversorgung zu verändern und weiterhin so kapitalistisch
zu wirtschaften, wie bisher. Denn so werden wir Europäer*innen den Rest der Welt mit unseren
Altlasten der Industrialisierung und Kolonialisierung allein lassen und irgendwann werden
Millionen Menschen nicht mehr leben können, wo sie bisher leben. Daher ist ein tiefgreifender
System Wandel („System change, not climate change!“) nötig, denn wir alle haben nur dieses
Leben, sagte eine Aktivistin.
Wie wir das schaffen können, ist vermutlich eine der größten Herausforderungen der Zeit und der
sozialen und ökologischen Bewegungen.
Falls ihr gegen den Klimawandel aktiv werden wollt, meldet euch gerne bei uns! Es gibt noch so
viel zu tun.

*Anmerkung: Selbst nach einiger Recherche war es mir nicht möglich, einige der Berichte online
zu bestätigen, weshalb manche der Aussagen ohne Gewähr sind.

Ende Gelände Demonstration: Aktionswochenende Rheinland Teil 2

Für die, die noch länger Zeit hatten, in Bonn zu bleiben, wurden auch die darauffolgenden Tage nicht langweilig.
Es gab am Sonntag, 5. November, eine angemeldete Demonstration gegen Braunkohle, die im Bahnhof Buir um 9 Uhr morgens begann. Fürs Klima steht man schließlich gerne früh auf!
Obwohl die komplett legale Demo erstmal von Einschüchterungsversuchen durch die Polizei aufgehalten wurde (Strohsäcke wurden als Waffe deklariert und mussten abgegeben werden, die Polizei forderte pro 30 Demonstrant*innen eine*n Ordner*in statt der üblicheren 1:50, und es gab eine Sichtkontrolle, bei der alle durch eine schmalere Stelle zwischen zwei Mannschaftswagen und Reihen der in voller Montur gekleideten Polizei geschleust wurden, was ewig dauerte), blieb die Stimmung durchweg friedlich und voller Zielstrebigkeit. Es wurden Lieder angestimmt und Sprechchöre, es wurde zur Musik der Lautsprecherwagen getanzt und im Laufe der Demo verließen uns nach und nach die verschiedenen „Finger“, also Gruppen der Demo, die versuchen wollten in den Braunkohletagebau zu gelangen und dort zum Stillstand der Kohlebagger zu führen.

EndeGelaendeDemo
Ein „Finger“ verlässt die Demo, um in den Tagebau zu gelangen

Auch touristisch gesehen, war es eine spannende Demo. Als erstes ging es durch den Ortsteil Morschenich, der schon teilweise verlassen ist und in Zukunft dem Tagebau Hambach zum Opfer fallen wird. Es war echt rührend, wie die übrig gebliebenen Bewohner*innen aus ihren Häusern kamen und uns zuwunken und teilweise das Gespräch mit Aktiven suchten.
Danach kamen wir am Hambacher Forst vorbei, in dem zur Zeit ungefähr 80 Aktivist*innen in Baumhäusern das Abholzen der Bäume durch den Energiekonzern RWE verhindern. Davor liegt außerdem noch eine Wiese, die ein Jurist in einem unachtsamen Moment von RWE gekauft hat und seitdem Camper dort „duldet“.

Kohlekraftwerk
Und hinter der Grube qualmen schon die Kohlekraftwerke

Und direkt daneben beginnt das riesige Loch des Tagebaus, das die Kohlebagger seit Jahren immer weiter vergrößern und dem schon 90% des Hambacher Forstes, viele Ortschaften und die Autobahn A 4 weichen mussten. Fünf Kohlekraftwerke stehen in dieser Region. Dieser Tagebau ist eine der größten Kohlenstoffdioxidquellen Europas (Quelle).
Schließlich schaffte es auch der letzte „Finger“ in den Tagebau, die Polizei lief ihm ein bisschen hilflos hinterher.

Polizei
„Sustaina-Claus“ mit der Polizei an der Abbruchkante

Großdemonstration zum Klimawandel in Bonn: Aktionswochenende Rheinland Teil 1

Am Samstagmorgen, dem 4. November 2017, noch vor Morgengrauen, machten sich Aktive der BUNDjugend Göttingen auf, mit dem Bus des BUND Göttingen nach Bonn zur Großdemonstration anlässlich des dort am Montag beginnenden Klimagipfels zu fahren. Schon im Bus herrschte eine ausgelassene, erwartungsfrohe Stimmung – vielleicht würde die Demo ja die momentan stattfindenden Koalitionsverhandlungen beeinflussen!
Gegen Mittag kamen wir in Bonn an, bewaffnet mit Fahnen und Bannern – „Klima retten! Kohle stoppen!“.


Foto: Jörg Farys / BUND

Nach und nach versammelten sich die Menschenmassen auf dem Münsterplatz und als es losgehen sollte, ging es erst lange gar nicht los! Wir waren einfach immens viele. Die ersten waren zwar schon lange unterwegs, aber der Platz geriet immer noch kaum in Bewegung. Die Stimmung war grandios und als dann endlich die Durchsage kam, wir seien 25 000 Demonstrant*innen, jubelte die Menge.

Die größte Demonstration gegen Kohle, die Deutschland je gesehen hat!

Trommelgruppen und mehrsprachige Demosprüche „Plus chaud, plus chaud, plus chaud que le climat!“, „What do we want? – Climate justice! – When do we want it? – Now!“ oder „Hopp, hopp, hopp, Kohle stopp!“ heizten die Stimmung an und sorgten für Unterhaltung und schwache Erinnerungen an den Französischunterricht in der Schule. Es war einfach so motivierend zu sehen, wie vielen Menschen aus aller Welt der Schutz des Klimas so viel bedeutetete wie uns.

Klimaschutzkochmobil

Landwirtschaft und Ernährung haben einen bedeutenden Einfluss auf das Klima – und beim Essen kann jede*r anfangen, das Klima zu schützen.
„Iss cool!“ Nur…wie geht das: Lecker und abwechslungsreich, dabei klima-, umwelt-, natur- und tierfreundlich und außerdem (verteilungs)gerecht?
Darum geht es in diesem Workshop.

Welche Folgen des Klimawandels kennen wir?
Wie ressourcenintensiv und wie klimaschädlich oder klimafreundlich sind bestimmte
Lebensmittel tatsächlich?
Und wie hängt das Thema Flucht damit zusammen?

Am Samstag, 19.11.2016 könnt Ihr Eure Fragen zum Thema klimafreundliche Ernährung diskutieren, bei einem bunten Partybuffet Alternativen testen, in einer “Green Story“, einem Sketch oder einer Fernsehsendung bemerkenswerte Infos kreativ verpacken…und natürlich Spaß haben!

Wenn ihr Lust habt mitzumachen, meldet euch so bald wie möglich
bei uns an, am besten durch eine kurze Mail an
goettingen@bundjugend-niedersachsen.de

Wann? Samstag, 19.11.2016, 9:45 – ca. 18 Uhr
Ort: GUNZ (Geiststr. 2, in Göttingen)
Workshopleitung: Jana Hesse
Teilnahmebeitrag: 3 €

Gefördert von der BINGO! Umweltstiftung Niedersachsen

Wir haben’s brennen sehen

„Beim Rausgehen Licht ausmachen“, das weiß eigentlich jedes Kind. Um die Leute daran zu erinnern, waren wir letzten Mittwoch unterwegs. Anscheinend hat das nämlich nicht jede*r verinnerlicht, denn unzählige Geschäfte sind auch nachts beleuchtet.

Unsere Flugblätter, die wir an 160 Türen von der Dönermeile, rund ums Gänseliesel bis zum Willi aufhängten, führen nur einige der Probleme der Lichtverschmutzung auf, die so leicht zu vermeiden wären.

Ihr wisst schon… abschalten!